Haben Sie es auch gemerkt? In der Welt der Verpackungen vollzieht sich eine stille Wende: Das chemische Recycling, einst von der Chemie-Lobby als Heilsbringer gefeiert, droht (zum Glück) in der Bedeutungslosigkeit zu versinken.
Die COP29 in Baku endete mit einem Kompromiss, der mehr Fragen aufwirft als beantwortet. 300 Milliarden Dollar jährlich bis 2035 klingen beeindruckend, verblassen aber angesichts der eigentlich geforderten 1,3 Billionen.
Es scheint, als hätten wir beim Klimaschutz das Kleingeld gefunden, während der Geldbeutel noch immer verschollen ist.
Stellen Sie sich vor, Sie stehen im Supermarkt vor dem Regal und neben dem Kilo-Preis, dem
Nutri-Score, der Zuckerampel und der Haltungsform prangt plötzlich noch ein weiterer Wert auf
der Verpackung: der CO2-Fußabdruck. Science-Fiction? Keineswegs! Die gesamte Industrie
inklusive der Verpackungsindustrie steht vor einem Paradigmenwechsel, bei dem der Carbon
Footprint schon sehr bald zur neuen Leitwährung werden könnte.
Diese alte Weisheit trifft auch auf die aktuellen Herausforderungen zu, vor denen große Marken
wie PepsiCo, Unilever und Colgate-Palmolive stehen. Seit Monaten kursieren Berichte, dass
Unternehmen ihre selbst gesteckten Nachhaltigkeitsziele verfehlen werden. Doch überrascht das
wirklich jemanden?
So wie die Werbung eines Energy Drinks verspricht, dass dieser Geist und Körper Flügel verleiht, so erweckt der deutsche Mindeststandard den Eindruck, dass der darin geforderte Einzelnachweis dem Recyclingmarkt Flügel verleihen könnte.
Was ist eigentlich ein Zertifikat? Es gibt den Begriff im Zusammenhang mit Finanzen und Emissionen,
hier wird vor allem der Handel mit CO2-Zertifikaten beschrieben. Webseiten arbeiten mit
Verschlüsselungszertifikaten, das Abiturzeugnis ist ein Zertifikat mit rechtlicher Relevanz und auch
die Anwendung des Massenbilanzansatzes zur anteiligen Verrechnung von biobasierten oder
recycelten Materialien kann über eine Zertifizierung erfolgen.
Es gibt mal wieder eine neue Studie der GVM, diesmal beauftragt vom NABU, mit dem Ziel das Substitutionspotential von Mehrwegtransportverpackungen zu ermitteln. Achtung Spoiler: „Durch den flächendeckenden Einsatz von Mehrweg-Transportverpackungen ließe sich in den analysierten Segmenten Cerealien, TK-Gemüse und Tafelschokolade ein großer Teil des derzeitigen Aufkommens von Transportverpackungen einsparen.“ (Zitat aus dem Fazit).
Eine wirre Regelungswut erzeugt Ratlosigkeit, Unsicherheit und Frust. Der neue Mindeststandard 2022 erschwert auf einer gänzlich theoretischen Ebene die Recyclingfähigkeit von Verpackungen, diskriminiert pauschal Packhilfsmittel wie Haftetiketten und erkennt nicht mal die eigenen Vorgaben an.